Niederrheinzeitung, regional aktuell, Nachrichten vom Niederrhein

  • Increase font size
  • Default font size
  • Decrease font size

Schlechtes Arbeitsklima erhöht Krankentage - DAK Gesundheitsreport 2012 nicht überraschend!

Simeon EhmerDer DAK Gesundheitsreport 2012 spiegelt die Realität wieder!

Der Krankenstand stieg auf 3,6 Prozent (2010: 3,4 Prozent)! Damit hat das Jahr 2011 das höchste Niveau im 15 Jahren-Vergleich erreicht. Im Durchschnitt meldete sich jeder Beschäftigte an 13,2 krank, im Jahr 2010 waren es 12,5 Fehltage. Für die Studie wertete die Kasse insgesamt 2,4 Millionen „Krankenscheine“ aus.

Als Beispielrechnungen zur Verdeutlichung des Schadens für die Wirtschaft (als Grundlage mit den Daten des statistischen Bundesamtes)

Jeder Krankentag ( 8 Stunden- Arbeitstag) kostet 247,20.- €[1]. Das sind bei durchschnittlichen 13,2 Krankheitstage pro Jahr rund 3260.- € pro Jahr und erkrankten Beschäftigten! Dabei sind die Produktivitätsverluste und Personalergänzungskosten in den Unternehmen nicht mit eingerechnet! Bei drei erkrankten Mitarbeitern sind es schon rund 10.000.- € pro Jahr, bei 10 kranken Mitarbeitern schon weit über 30.000.- € pro Jahr!

Hierbei ist besonders erschreckend, dass die höchste Steigerung im Bereich der psychischen Erkrankungen liegt. Seit dem Jahr 2006 stieg die Zahl der Krankheitstage,aufgrund psychischen Erkrankung, um mehr als 60 Prozent an. Hierbei entfallen 13,4 % der aller Fehltage im Jahr 2011.. Gerade die psychischen Erkrankungen haben meist die „Unzufriedenheit“ als Grund. Das heißt bezogen auf die Arbeit ist die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter einer der Haupttreiber der Krankheit. Arbeitszufriedenheit wird in der Sekundärliteratur und in anderen Studien auch häufig als Arbeitsqualität bezeichnet.

Besonders gravierend ist die durchschnittliche Dauer der psychischen Erkrankungen mit aktuell 30,5 Tagen. D.h., ein Mitarbeiter der aufgrund einer psychischen Erkrankung ausfällt, fehlt im Durchschnitt einen Monat und die Kosten liegen über 7.500.- €! Hinzu kommt noch, dass durch Stress, z.B. durch eine hohe Arbeitsbelastung und „Unzufriedenheit“ bzw. mangelnder Arbeitszufriedenheit das Herzinfarktrisiko mehr als verdoppelt wird!

Bedingt durch den Ausfall eines Mitarbeiters erhöht sich wiederum die Arbeitsbelastungen für die anderen Mitarbeiter und es entsteht Unzufriedenheit und Stress – eine Spirale beginnt. Ist der ausgefallene Mitarbeiter wieder gesund und einsatzbereit, fallen Kollegen aufgrund der vorherigen, erhöhten Arbeitsbelastungen und Unzufriedenheit aus!

Es wurden verschiedene Faktoren identifiziert, die die Krankentage beeinflussen. Dabei sind drei Hauptfaktoren genauer betrachtet worden:

  • Arbeitsklima
  • Sicherheit des Arbeitsplatzes
  • Arbeitsplatzbelastung

Bei dieser  Betrachtung muss angemerkt werden, dass die Krankentage mit steigender Arbeitsplatzsicherheit steigen. In wirtschaftlichen schlechten Zeiten sinken demnach die Krankentage.

Die Ergebnisse der DAK Studie 2011 sind auch nicht eine Überraschung oder völlig neu.

Geht man davon aus, dass Arbeit nicht nur der materiellen Existenzsicherung dient, sondern ebenfalls einen wesentlichen Beitrag zur Befriedigung persönlicher, sozialer und kultureller Bedürfnisse leistet und auch auf andere Lebensbereiche ausstrahlt, ist Arbeitszufriedenheit eine zentrale Voraussetzung für die allgemeine Lebenszufriedenheit und letztlich für die physische und psychische Gesundheit.

Das Arbeitsklima und die Arbeitsplatzbelastung sind der psychosozialen Faktoren und zählen im allgemeinen zur Arbeitsqualität. Vergangene Studien haben bereits aufgezeigt, dass zur Krankenprävention eine mitarbeiter- und werte-orientierte Unternehmesnkultur unbedingte Voraussetzung ist. Eine Unternehmenskultur der Zusammenarbeit im Team, nachvollziehbaren Führungsentscheidungen und ohne Intrigen! Der DAK Gesundheitsreport benennt die gleichen Faktoren von der anderen Seite.

Jetzt fordern wieder alle Arbeitgeber ein Präventionsprogramm – wen überrascht es? Die Krankenkasse haben viele gute Ansätze, aber was fehlt, ist ein ganzheitlicher Ansatz für die Unternehmen. Ein ganzheitlicher Ansatz setzt die Veränderungsbereitschaft in den Unternehmen voraus. Die Unternehmenskultur muss individuell untersucht werden, ein Handlungsportfolio mit schnell greifenden Maßnahmen erarbeitet und die Mitarbeiter vor Ort integriert werden. Danach muss nachhaltig das Mitarbeiterengagement gesteigert werden. Erst dann kann man hier von Nachhaltigkeit sprechen und eine Verbesserung erwarten. Die Krankenkassen können und müssen in dieser ganzheitlichen Vorgehensweise, mit Ihren guten Präventionsmöglichkeiten, flankierend unterstützen.

Das einzige überraschende an diesem Report und der Diskussion ist, das die Arbeitgeber diesen ganzheitlichen Ansatz von sich aus nicht schon lange umsetzen, da es allgemein bekannt sein dürfte, dass die Unternehmenskultur einen signifikanten Einfluss und das Mitarbeiterengagement mit über 30% einen direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg ausübt! Beide Faktoren auf den Unternehmenserfolg, - Unternehmenskultur und Mitarbeiterengagement – haben die gleichen Haupttreiber: Die Arbeitszufriedenheit!

Quintessenz:

Beeinflusse ich die Arbeitszufriedenheit positiv, schlage ich „zwei Fliegen mit Klatsche“ – die Unternehmenskultur und das Mitarbeiterengagement.


[1] Die durchschnittlichen Arbeitskosten pro Stunde betragen laut Statistischen Bundesamt 30,90 Euro.

Autor: Simeon Ehmer

Der DAK-Bericht auf den hier Bezug genommen wird: http://www.dak.de/content/dakkrankheit/gesundheitsreports.html

Banner
Sie sind hier: Wirtschaft/Finanzen Schlechtes Arbeitsklima erhöht Krankentage - DAK Gesundheitsreport 2012 nicht überraschend!