Beinahe traditionell, meist weniger lässig als zuverlässig und immer regelmäßig alle zwei Jahre dürfen Bülent Ceylan Fans das nagelneue Bühnenprogramm des Mannheimer Comedy-Stars erwarten. Die schlagartig angewachsene deutschsprachige Fangemeinde interessiert vor allem dafür, wie geht es weiter mit Harald, Hasan, Aslan, Anneliese und Mompfreeed und was wird mit Günter, dem Halbyeti?
Die überall in Deutschland entflammten Herzen der Fans schlagen nun mal für die unterschiedlichsten Charaktere in Bülents Figuren-Sammelsurium und dort, wo der eine sich freut, dass der „goldische“ Harald beinahe mal wieder bei einen Job mehr als drei Tage durchgehalten hat und Kartoffelsalat schon nach zwei Tagen schlecht wurde, freut sich der andere mehr darüber, dass der geistig grobmotorische Pascha Hasan vielleicht neuerdings von einer amourösen Beziehung erzählen kann, die sich nicht nur zwischen ihm und einer DVD abspielte.
Und wiederum ein anderer amüsiert sich wesentlich mehr über die nach-erzieherischen Maßnahmen, die der ausgefuchste Gemüsehändler Aslan, bei dem sogar die Hemden halbseiden sind, seinem ungeliebten Schwiegersohn Rüdiger angedeihen lässt.
Dass Kieksstimme Anneliese überall gut durchkommt, weil sie eigentlich längst total „durch“ ist, wirkt für jede ihrer Bewunderer einleuchtend und sollte sie nicht plötzlich vom kreisrunden Haarausfall und monetärer Schwindsucht auf dem Bankkonto ihres Ernährers befallen werden, wird sich die beliebte Pelzhändlers-Gattin kaum aus der so heiß geliebten Öffentlichkeit zurückziehen und uns weiter mit ihren Weisheiten und Sorgen versorgen. Halbyeti Günter weiß im Moment noch nicht so richtig, wo hinten und vorne ist, besucht aber zurzeit einen Berufsfindungskurs bei der Bundesanstalt für Arbeit und wird dort hoffentlich auf sein Bühnenleben, seine große Zeit im neuen Programm und den zu erwartenden Fantrubel weiblicher rasierter Yetis vorbereitet.
Mompfreeed bleibt so wie er ist, was anderes bleibt ihm und uns leider auch nicht übrig und er wird sich auch in Zukunft verbal auf direktem Wege in den Verstand aller Zweifler boxen! Mit brachialen Parolen, roh und gekocht räumt und träumt er mit den Vorurteilen auf und macht sie zu klaren Erkenntnissen seiner kranken grauen Zellen und damit für alle absurd und lächerlich. Überhaupt wird auch gerade bei vielen kleinen Anspielungen immer wieder deutlich werden, was Bülent Ceylan vorhat, wenn er die angeblichen Macken seiner jeweiligen Figuren so darstellt, wie sie einseitig intolerant und oftmals hämisch unterstellt werden. Wenn er statt zu reproduzieren, wie der Türke oder der Deutsche eben ist, einfach grotesk das falsche Bild überzeichnet, das andere davon haben! Damit spielt er raffiniert die Vorurteile von Deutschen und Türken gegeneinander aus und macht sie absurd.
Und er sorgt dafür, dass die Leute über überzeichneten Blödsinn lachen und dann hoffentlich kapieren, wie kleingeistig und egoistisch diese geistlosen und trivialen Phrasen oftmals sind. So bleibt das Lachen nicht einfach nur im Hals stecken, sondern befreit möglicherweise von blöden und rassistischen Blockaden und reinigt den Blick auf den Mitmenschen. So wie das an jedem Abend einer Bülent Ceylan Aufführung geschieht: Alle Emotionen sind gleich, alle Augen ähneln sich, weil sie leuchten und alle sind sich einig: Das war ein süperlatiefes Erlebnis!
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