Die kalten Monate sind vorbei – und schon findet man sie wieder in Wald und Garten: Zecken. Die Experten geben Zeckenalarm. Aus gutem Grund: "Zeckenbisse“ sind nicht immer nur harmlos – sie können Lähmungen, Gelenkentzündungen und schwere Nervenschäden verursachen.
Jeder fünfte der vier Millionen deutschen Schmerzpatienten hat nach Ansicht von Medizinern sein Leiden einem vor Jahren unbemerkten oder verharmlosten Zeckenstich zu verdanken. Es kann noch Jahre nach einer Infektion zu Gelenkentzündungen, Immunschäden, Blutarmut, Muskelentzündungen, Harnsäurestörungen, sogar zu einer Form von Leukämie kommen. Die Krankheit ist in ihrer Erscheinungsform der Multiplen Sklerose sehr ähnlich.
Auch wenn alle vom Impfen gegen Zeckenkrankheiten reden – so ist gegen die tückischste Krankheit, die unsere heimischen Blutsauger übertragen, bisher keine Impfung möglich. Impfen lässt sich lediglich gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine infektiöse Gehirnhautentzündung.
Die noch gefährlichere Lyme-Borreliose kommt allerdings 50- bis 100-mal häufiger vor. So sind im Bereich des Bodensees beispielsweise nahezu 60 Prozent aller Zecken zugleich Träger der Erreger von Borreliose. Anderswo überträgt "nur" jede dritte bis fünfte Zecke die Infektion. Natürlich ist auch die FSME nicht harmlos.
Wer in gefährdeten Gebieten lebt oder in solche reist, der tut gut daran, sich impfen zu lassen. Die Gehirnhautentzündung FSME ruft anfangs Symptome einer Grippe hervor, doch auch sie kann zu schweren Komplikationen wie Nervenschäden, Gehirnentzündung und Rückenmarksentzündungen führen. Einmal ausgebrochen, gibt es momentan gegen die Virus-Infektion FSME noch keine therapeutischen Möglichkeiten.
Anders bei der Lyme-Borreliose: Gegen diese bakterielle Infektion mit dem Erreger Borrelia Burgdorferi helfen Antibiotika – sie müssen aber rechtzeitig eingesetzt werden, damit es nicht zu gravierenden Spätfolgen kommt. Daher ist in jedem Fall ein Arzt aufzusuchen, wenn innerhalb von zwei Wochen nach einem Zeckenstich grippeähnliche Beschwerden auftreten, begleitet von hohem Fieber (bis 39,5° C) sowie Gelenk- oder Muskelschmerzen.
In etwa der Hälfte aller Fälle bleibt das typische Anzeichen einer Borreliose, eine ausgedehnte Rotfärbung um die Einstichstelle (erythema migrans), aus. Während in Deutschland pro Jahr etwa 200 bis 300 FSME-Fälle registriert werden, gibt es im gleichen Zeitraum rund 30.000 Infektionen mit dem Erreger Borrelia Burgdorferi.
Autor: Apotheker Franz Dietl
Foto: Thorben Wengert / pixelio.de


