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„Faszination in Blau und Weiß“ Deutsche und niederländische Fayencen des 17. und 18. Jahrhunderts - vom 13. September bis 29. November

Gezeigt wird die Entwicklung und Herstellung zinnglasierter Irdenware an Beispielen deutscher und niederländischer Fayencen sowie der nordniederländischen Majolika. In der Ausstellung befinden sich überwiegend Fayencen mit blauer Bemalung, die zur Zeit des Barock und des Rokoko in den Niederlanden und in Deutschland entstanden sind.

Die ca. 200 Exponate sind Teil einer Sammlung, die hauptsächlich aus den Manufakturen Delft, Hanau, Frankfurt, Bayreuth und Nürnberg stammt und im Verlauf von dreißig Jahren zusammen getragen wurde. Zum direkten Vergleich mit der Fayence sind auch einige chinesische Porzellanteller aus dieser Zeit zu sehen.
Die Stücke konnten entweder aus privaten Nachlässen, aus dem Antiquitätenhandel, auf Auktionen oder über das Medium Internet, das einen weltweiten Zugriff ermöglicht, erworben werden.

Fayencen sind aus Ton gefertigte Gegenstände, die nach dem Brand einen porösen Scherben ergeben, der mit einer zinnoxydhaltigen Glasur überzogen eine Grundlage für die Bemalung bildet. Der Gebrauchswert wird durch die geringe Beständigkeit bei raschem Temperaturwechsel eingeschränkt.
Das Material eignet sich daher eher zur Herstellung von Schaustücken mit reichem Dekor. Fayencen fanden Verwendung als Zierrat in Tellerborden, auf Kaminsimsen und als Schrankaufsätze sowie als Wandschmuck in adeligen und bürgerlichen Häusern der damaligen Wohnkultur.
Bei den Tellern und Schüsseln zeigen sich in der Regel auf der Unterseite strichartige Abdrücke, die beim Stapeln im Brennofen entstanden sind. Hinsichtlich der Form, Glasur und Bemalung kann eine solche Perfektion erreicht werden, dass die Ware nur bei näherer Betrachtung von Porzellan zu unterscheiden ist.

Nach Gründung der Vereinigten Ostindischen Kompanie (VOC) im Jahre 1602 wurde durch die Kaperung zweier portugiesischer Schiffe, die mit chinesischem Porzellan beladen waren, diese blauweiße Ware in den Niederlanden bekannt und beliebt. Die Aufnahme von Handelsbeziehungen mit China ermöglichte die Einfuhr großer Mengen von Exportporzellan.
Dies änderte sich jedoch mit der Zunahme politischer Unruhen in China, wodurch der Handel zwischen 1659 und 1683 fast völlig zum Erliegen kam. Da es in Europa noch nicht möglich war, eigenes Porzellan zu produzieren, entstanden aufgrund dieser Marktlücke allein in Delft über 30 Fayencemanufakturen.
Hier wurde versucht, das chinesische Porzellan zu kopieren, indem man sich in Form, Farbe und Glasur an den chinesischen Vorbildern orientierte. Auch noch im 18. Jahrhundert bevorzugte man chinesisch inspirierte Darstellungen, zu denen nun auch einheimische Motive traten.

Im Gegensatz zur Fayence ist bei den nordniederländischen Majoliken des 17. Jahrhunderts noch der italienische Einfluss spürbar. Dargestellt werden u. a. stilisierte Blätter, Blumen und aufgeschnittene Früchte.
Beliebt waren auch Putten, springende Hunde, Reiter und allein stehende Figuren. Die punktartigen Abdrücke auf der Schauseite der Teller und Schüsseln, die durch Stapelhilfen hervorgerufen wurden, beeinträchtigen das Erscheinungsbild der meist polychromen Bemalung auf der Vorderseite. Die Rückseiten der Majoliken sind im Unterschied zur Fayence mit einer durchscheinenden Bleiglasur versehen.

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde auch in Deutschland die erste Fayencemanufaktur von den Nachkommen niederländischer Glaubensflüchtlinge in Hanau gegründet.
Getreu dem merkantilistischen Prinzip waren die Landesherren daran interessiert, sich von teuren Fayenceimporten unabhängig zu machen. Geldgeber finanzierten die Fabrikgründungen und erhielten Privilegien für zollfreie Ein- und Ausfuhren oder Steuererlasse. Eine weitgehende Arbeitsteilung sorgte für hohe Produktivität.
In der Folge kamen weitere Neugründungen in Heusenstamm, Frankfurt, Berlin und Kassel hinzu. Die Handwerker, die häufig aus den Niederlanden stammten, arbeiteten in der „Delfter Manier“, was sich in den Formen und im Dekor zeigt. So lässt sich z. B. bei der Bestimmung mancher Stücke nicht sagen, ob sie in Frankfurt oder Delft hergestellt wurden.

Sammlungen entstehen aus den unterschiedlichsten Gründen. Das Spannende und Interessante daran sind zunächst die Geschichten, die mit dem Erwerb der einzelnen Stücke verbunden sind.
Es lässt jedes Sammlerherz höher schlagen, wenn sich zum Beispiel die Chance bietet, aus einer alten bekannten Sammlung oder aus ehemaligem Museumsbesitz Stücke zu erwerben. Darüber hinaus ist es die Geschichte, in die man eintaucht, wenn man sich mit den politischen, kulturellen und religiösen Hintergründen zur Entstehungszeit der Objekte befasst.
Ab 1566 tobte in den Spanischen Niederlanden der Achtzigjährige Krieg, der insbesondere um 1600 unsere Heimat, das Gebiet zwischen Rhein und Maas drangsalierte. Mit dem Prager Fenstersturz im Jahr 1618 wurde durch den Dreißigjährigen Krieg auch ganz Deutschland erfasst und die Menschen in unermessliches Leid gestürzt.
Ungeachtet dieser Kriegswirren ist das 17. Jahrhundert in den Niederlanden eine Epoche, in der das wirtschaftliche, geistige und kulturelle Leben eine einzigartige Blüte erlebte und heute noch als das „Goldene Zeitalter“ bekannt ist. In Deutschland setzte der Aufschwung erst langsam nach dem Dreißigjährigen Krieg ein.

Jahrhunderte lang existierte die Fayence aus dem Wunsch nach einem „Ersatz“ für Porzellan - und ist doch von außerordentlicher Eigenständigkeit in Formgebung und Dekor.
Sie hat sich als eigenes Sammelgebiet etabliert, das von künstlerischen Meisterleistungen bis zum einfachen Gebrauchsgeschirr reicht.

Am Sonntag 13. September um 11.00 Uhr wird die Ausstellung im Issumer Törchen eröffnet und kann bis zum 29. November besucht werden.

 

 

Bildquelle: Gemeinde Issum

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