Geniale Idee: Face-shields aus Klarsichtfolie selbst gemacht

Leon Paulat, Dr. Heinz-Georg Kaysers und Jos Grootens (v.l.) in ihrer „Mini-Fabrik“, in der sie gemeinsam mit Claudio Arnold (nicht im Bild) die Face-shields anfertigen. Alles, was sie dafür brauchen passt auf einen Schreibtisch und ist leicht zu besorgen., 	Foto: I. MaasDr. Heinz-Georg Kayser entwickelt und produziert mit Studenten Gesichtsschutzschirme und verteilt sie an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in der Region Schutzausrüstung für medizinisches und Pflegepersonal ist knapp in Zeiten der COVID-19 Pandemie. Vor allem Schutzmasken und Schutzschirme fürs Gesicht - die Face-shields - sind heiß begehrt. Kaum jemand weiß das so gut wie Dr. med. Heinz-Georg Kaysers, der täglich mit diesem Mangel konfrontiert wird. Mit seiner in Kevelaer ansässigen Firma Kaysers Consilium berät er seit 20 Jahren über 200 Krankenhäuser in der gesamten Bundesrepublik, unter anderem auch schon seit Jahren die Krankenhäuser in Geldern und Xanten. Er hört die Klagen über fehlendes Material von allen Seiten. Also sagte er sich: „Nicht jammern - machen!“ und entwickelte gemeinsam mit seiner Frau Anne und Studenten der Hochschule Rhein-Waal in Kleve Gesichtsschutz zum Selbermachen.

Utensilien für Schutzschild„Irgendwie dachte ich mir, dass es doch eigentlich nicht so schwierig sein kann, so ein Face-shield selbst herzustellen“ schildert Dr. Kaysers die sehr kurze Entwicklungsgeschichte. „Ich bin aber handwerklich nicht sehr begabt und vertraue da eher auf meine Frau Anne, die auch Mundschutzmasken aus Stoff selbst näht. Wir stellten dann zusammen einen recht groben Prototyp her und fanden Unterstützung bei drei Studenten, die zur Zeit ja nicht an die Uni können. Sie haben gemeinsam innerhalb von zwei Stunden dann einen Schirm entwickelt, der in Verbindung mit einem Mundschutz gut vor der Tröpfcheninfektion schützt und mit wenig Aufwand selbst herzustellen ist. Nach acht Stunden waren die ersten 150 Stück fertig, inzwischen haben wir innerhalb von drei Tagen 500 Schirme angefertigt und an die Krankenhäuser in Xanten und Geldern und an Altenheime verteilt. Wenn man bedenkt, dass anderswo ein 3-D Drucker nur 10 am Tag schafft, ist das eine tolle Leistung meiner Mitarbeiter.“

Jos Grootens, Claudio Arnhold und Leon Paulat studieren Bio Science and health in Kleve. „Ein relativ neuer Studiengang, der uns anschließend sehr viele Berufsfelder öffnet“ erläutert Jos Grootens. „Im Moment können wir aber nicht ganz so viel tun und haben Zeit. Als Herr Kaysers uns dann seine Idee vorstellte, haben wir spontan beschlossen, mitzumachen.“ Jos und Claudio tüftelten ein wenig herum, verbesserten das Ursprungsmodell in wesentlichen Punkten, besorgten anschließend das Material und schon konnten sie mit der Produktion starten. „Das Verfahren ist ziemlich simpel“ so Jos. „Man benötigt lediglich Folie, Gummiband, Schrägband, Panzerklebeband und einen Tacker. Für die Folie nehmen wir Abdeckblätter für Seminarmappen im DIN A4 -Format. Die schneiden wir in die passende Größe, runden die Ecken ab und stanzen Löcher hinein. Dann werden Stirn- und Gummibänder auf die entsprechende Länge geschnitten, das Gummiband durch die Löcher gezogen, alles wird festgetackert und zum Schluss werden die Klammern abgeklebt, um Verletzungen zu vermeiden. Das geht ziemlich schnell.“

Inzwischen wird das Gummiband knapp, aber auch dafür haben die Studenten eine Lösung gefunden: „Wir nehmen jetzt auch Schrägband für das hintere Band und setzen nur ein kurzes Zwischenstück aus Gummiband zur Größenregulierung ein, so dass es auf jeden Kopf passt“ erklärt Jos die „Gummisparmethode“. Alle drei sind froh, dass sie etwas tun können in Zeiten, in denen vor allem die Menschen, die sich um Kranke und Alte kümmern, vor Infektionen geschützt werden müssen.

Als Dr. Kaysers am Donnerstag seinen mail-account öffnet, findet er schon die ersten äußerst positiven Reaktionen und vor allem auch Dankeschön-mails aus Geldern und Xanten. „Die Mitarbeiter der Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen sind echt dankbar für diese Hilfe“ freut er sich. „Wir werden auf jeden Fall weitermachen, solange Bedarf besteht. Und wenn es sein muss, könnten wir unsere Produktionskapazitäten auch noch weiter ausbauen.“

Da er mit seiner kleinen Crew von drei Helfern natürlich nicht alle Einrichtungen beliefern kann, in denen solche Schutzschirme fehlen, hat er seine Bauanleitung für die Face-shields detailliert ins Internet gestellt. Unter www.kaysers-consilium.de und dann unter „Aktuelles/Downloads“ findet sich diese Anleitung mit den entsprechenden Fotos.
Eine tolle ehrenamtliche Aktion in Zeiten, in der Eigeninitiative so wichtig wie selten ist! Gerade jetzt braucht es Menschen, die ihre Fähigkeiten und Ideen einsetzen um die zu unterstützen, die täglich an vorderster Front gegen die Verbreitung und die Folgen des Corona-Virus kämpfen.

(Text/Fotos Ingeborg Maas)